Die Schule als Place to Be
Wie die Raumgestaltung in Schulen das Lernen und das Leben verbessert.
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TL;DR
Während sich Schulen mit der Digitalisierung, Inklusion und ganztägiger Bildung weiterentwickeln, passen traditionelle Klassenzimmerlayouts nicht mehr zur modernen Pädagogik. Dieser Beitrag untersucht, wie flexible, gut gestaltete Lernräume – von Clusterkonzepten über natürliche Materialien bis hin zu Ruhezonen – die Zusammenarbeit, das Wohlbefinden und die Fähigkeiten des 21. Jahrhunderts fördern, während digitale Raum- und Ressourcenplanungstools Schulen helfen, diese dynamischen Umgebungen effizient zu verwalten.
Digitalisierung, der Rechtsanspruch auf Ganztag, Inklusion und viele weitere neue Entwicklungen brauchen Raum in der Schule – im übertragenen wie im wörtlichen Sinne, denn zeitgemäße Lehre und Pädagogik braucht neu gedachte Schulräumlichkeiten. Welche Möglichkeiten Schulen zur Raumgestaltung haben, was Lernen und Wohlbefinden fördert und was eher hinderlich ist, lesen Sie in diesem Blogbeitrag:
Wie haben sich die Anforderungen an Raumgestaltung in der Schule verändert?
Die Bildungsforschung zeigt: Lernen erfolgt co-konstruktiv, im Austausch zwischen Schüler:innen selbst und Lehrkraft. Deswegen unterrichten die meisten Lehrkräfte nicht mehr rein frontal, sondern gehen in den Dialog mit ihrer Schülerschaft. Sie vermitteln Fähigkeiten, die für das 21. Jahrhundert bedeutsam sind wie Flexibilität, Problemlösen und kritisches Denken und stehen vor den Aufgaben von Inklusion und Digitalisierung. Diese neue Art des Unterrichts, erfordert auch neue Raumkonzepte.
Auch die Entwicklung hin zur Ganztagsschule ändert die Anforderungen an Betreuung und Räumlichkeiten der Schule grundlegend. Beginnend mit dem Jahr 2026 besteht an deutschen Schulen ein Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung, sodass sich die Schule immer mehr zum zentralen Lebensort der Kinder entwickelt. Der Gestaltung und der möglichst multifunktionaler Nutzung der Schulräume kommt daher eine besondere Bedeutung zu.
Wie haben sich die Schulkonzepte und damit die Raumgestaltung geändert?
Viele ältere Schulgebäude sind sogenannte Flurschulen aus der Zeit des Frontalunterrichts, mit an einem Flur aneinandergereihten Klassenzimmern.
Ab den 1970er-Jahren setzte sich die Erkenntnis durch, dass Frontalunterricht für das Lernen nicht ausreicht. Daraus entstanden Großraumschulen mit unterschiedlichen Lernlandschaften. So konnten Kinder sich frei verteilen, und sich in der Mensa, in der Bibliothek oder in den Räumen der Lehrkräfte aufhalten.
Anfang der 2000er entwickelte sich dann das Lernhaus-Prinzip. In Cluster-Schulen gruppieren sich Räume im Kreis um einen gemeinsamen Mittelpunkt wie ein Atrium. Dies ermöglicht mehr Interaktion und Flexibilität, sowohl für Schüler:innen, als auch für Lehrkräfte und pädagogische Fachkräfte, die heute in multiprofessionellen Teams zusammenarbeiten.
Was sollte bei der Raumgestaltung moderner Schule beachtet werden?
Um Leben und Lernen in der heute gängigen Ganztagschule zu realisieren, werden variabel nutzbare Lernräume benötigt. Es braucht Räume für das sozialen Miteinander, in denen Schüler:innen ihren Bewegungs- und Freizeitbedürfnissen nachgehen können, sowie Ruhezonen, die Rückzugsmöglichkeiten bieten. Ein ausgewogener und rhythmisierter Schulalltag sollte neben Phasen der Anspannung und des Lernens auch Phasen der Erholung beinhalten. Genauso wichtig ist eine Möglichkeit für frisches und gemeinschaftliches Mittagessen und eine gute technische Infrastruktur für eigenständiges digitales Lernen.
Diese Differenzierung lässt sich auch in bestehenden Klassenzimmern im Kleinen ermöglichen, z.B. mit dem Churermodell. Hier wird das Klassenzimmer umgestellt, sodass die Tafel nicht mehr der zentrale Punkt des Lernens ist. Stattdessen gibt es Inputs im Sitzkreis und Schüler:innen können sich ihren Arbeitsplatz frei aussuchen.

Alemannenschule Wutöschingen
Was sollte bei Neu- und Umbauten beachtet werden?
Der erste Schritt ist es also, darüber nachzudenken, wie Schulen in Zukunft lehren wollen, danach kann über die Räume nachgedacht werden. Besonders wichtig bei einem Neu- oder Umbau ist das gleichwertige Einbeziehen von Expert:innen und allen Schulbeteiligten. Neben den Lehrkräften sollten vor allem auch die Kinder und Ihre Eltern ihre Ideen und Wünsche teilen dürfen und am Prozess des Um- oder Neubaus kontinuierlich beteiligt werden. Bei der Umgestaltung bestehender Schulräumlichkeiten empfiehlt sich zunächst eine Bestandsaufnahme der vorhandenen Räume und deren Nutzung, sodass die Schule dann an die heutigen Bedürfnisse angepasst werden kann.
Wie Schulen Lernräume flexibel gestalten
Die niedersächsische Grundschule auf dem Süsteresch hat aus einem alten Gebäude der 1970er-Jahre eine moderne Ganztagsschule geschaffen. Dafür wurde u.a. der Innenhof zu einem lichtdurchfluteten Atrium mit Bühne, die alte Jungentoilette zum Forscherlabor und ungenutzte Flure zur Bibliothek. So hat die alte Flurschule heute vielfältige und flexible Nutzungsmöglichkeiten. Auch an der Alemannenschule Wutöschingen wurde einiges verändert: Hier gibt es zum Beispiel kaum noch „normale” Klassenzimmer – dafür Input-Räume für fachlichen Input, den Marktplatz mit Lerninseln zum kooperativen Lernen und Lernateliers mit eigenen Arbeitsplätzen für konzentriertes eigenständiges Arbeiten. So entsteht Raum für Flexibilität und Bewegung.
Die Grundschule am Dichterviertel in Mülheim an der Ruhr ist sogar der Meinung: Nicht jedes Kind braucht einen Tisch und einen Stuhl.

Learnatelier Alemannenschule Wutöschingen
Welche Raumelemente sind für das Wohlbefinden wichtig?
Studien zeigen, dass die Natur und Räume, in denen natürliche Materialien verwendet werden, zu gesteigertem Wohlbefinden, besserer Gesundheit und größerem sozialen Zusammenhalt in Gruppen beitragen. Es wird daher empfohlen, Holz und andere natürliche Materialien bei der Raumgestaltung von Schulen zu verwenden. Zudem sind natürliche Farben besser als grelle Farben, die schneller zu müden Augen führen. Ebenso wichtig sind gute Akustik und Geräuschreduzierung, moderate Temperaturen und angenehme Beleuchtung, um eine gute Lernumgebung zu schaffen. Höhlen, Nischen oder Zwischengeschosse, die von Gruppen unterschiedlicher Größen genutzt werden, können Rückzugsmöglichkeiten für Lernende schaffen. Im Allgemeinen eignen sich gebogene Konturen besonders gut für die Gestaltung. Es sollte auch Zugang von möglichst vielen Innenräumen zur Außenseite mit möglichst vielen Pflanzen geben.
Behalten Sie den Überblick mit dem Raum- und Ressourcenplaner
Ob alte oder neue Schulraumgestaltung oder etwas dazwischen, eine Herausforderung bleibt bestehen: Den Überblick über Räume und Materialien behalten – insbesondere bei flexibel genutzten Räumen oder Mehrfachnutzung: Digitale Lösungen wie der Seven Education Raum- und Ressourcenplaner können nicht nur bei neueren Schulraumkonzepten, sondern auch im Alltag helfen. Dadurch können Räume im Voraus oder spontan gebucht werden, und bei der Reservierung des Tabletkoffers kann jede Lehrkraft sofort sehen, wie viele Geräte verfügbar sind und ob ein Ladekabel fehlt. Ebenso können das Forschungslabor, die Bühne in der Aula oder die Sporthalle für einen bestimmten Tag oder das gesamte Schuljahr problemlos reserviert werden. Dies spart Zeit und Nerven für alle. Weitere Informationen finden Sie hier.

Geschrieben von
Anna
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